Unser Kiefergelenk ist über die Schädelknochen mit dem gesamten Wirbelkanal verbunden und beeinflusst dadurch die Muskulatur, das Nervensystem, die Organe und das knöcherne Skelett. Deshalb nehmen die Kiefergelenke im Gesamtsystem unseres Körpers eine wichtige Rolle ein. Sie sitzen an einer zentralen Schaltstelle für unseren Bewegungsapparat, denn sie sind die höchstgelegenen Gelenke in unserem Körper.
Durch das Kiefergelenk ziehen so viele Nervenbahnen wie nirgendwo sonst im Körper. Über Nervenstränge, Muskelfasern und Knochen ist der Kieferbereich mit dem Becken und weiter mit den Füßen verbunden. Deshalb machen sich Verspannungen im Kiefer auch nicht nur durch Kauprobleme, Kopfschmerzen, Wirbelsäulenproblematiken oder Nackenschmerzen bemerkbar, sondern können sehr vielfältig sein. Die Funktionen der Gelenke in unserem Körper beeinflussen sich gegenseitig, denn die Fuß-, Knie-, Hüft-, Schulter-, und Kiefergelenke arbeiten wie in einem Mobile mit unserer Wirbelsäule zusammen. In Kombination mit Faszien Ketten und Muskeln bilden sie ein dynamisches Spannungsnetz welches für koordinierte Bewegungen und eine aufrechte Körperhaltung sorgt. Fällt eines dieser Teilsysteme aus, gerät der Körper aus dem Gleichgewicht und Beschwerden können in jegliche Körperregionen ausstrahlen.
Somit haben die Kiefergelenke eine Verbindung zu unserem Becken und können dort Beschwerden verursachen und umgekehrt können Beckenproblematiken auch bis zum Kiefer ausstrahlen. Unser Körper ist halt ein komplexes System und alles hängt zusammen.
Mehr als 30% aller motorischen Nerven sind mit dem Kiefergelenk verbunden. So können gelöste Verspannungen im Kiefergelenk eine Entspannung im ganzen Körper bewirken. Das Kiefergelenk wird vom Nervus Trigeminus versorgt, unserem größten Hirnnerv. Er besitzt als einziger, Querverbindungen zu allen anderen Hirnnerven. Wird er stimuliert, leitet sich die Information an die anderen Hirnnerven weiter. Dies ist der Grund warum der Kiefer eine übergeordnete Rolle in der Schmerzwahrnehmung und der Schmerzverarbeitung hat.
Das funktionelle Netzwerk aus Muskeln und Faszien umspannt den gesamten Körper und verbindet weit voneinander entfernte Muskeln über myofasziale Ketten miteinander. Die einzelnen Ketten sind jedoch auch miteinander verbunden. Die innere Beckenbodenschicht verbindet beispielsweise die myofasziale Frontalkette mit der Rückenkette. Diese Verbindung schafft die Ausgangsbasis für ein funktionelles Beckenbodentraining.
Bei uns Frauen verändert sich die Spannung im Kiefer schon in der Schwangerschaft. Denn in der Schwangerschaft verspüren viele Frauen nicht nur Nacken-, Rücken-, und Beckenschmerzen sondern auch Veränderungen im Kiefer. Dies geht einher mit der Verlagerung des Körperschwerpunktes und dessen Kompensation.
Auch in der Geburtshilfe wird der Zusammenhang zwischen Kiefer und Becken genutzt um die Geburt bestmöglich zu begleiten. Dies geschieht durch Atemübungen mit gleichzeitiger Entspannung der Gesichtsmuskeln, des Kiefers und des Beckenbodens. Das Ausatmen durch den geöffneten Mund unterstützt den Kiefer möglichst locker zu bleiben und somit den Beckenboden zu entspannen.
Da eine starke Verbindung zwischen dem Kiefer und dem Becken besteht gehört dieses Thema für mich auch in jeden Beckenbodenkurs. Denn so können Spannungen und Beschwerden im Hüft- und Beckenbodenbereich angegangen und gelöst werden.
Ein Ungleichgewicht im Kiefer kann folgende Symptome aufweisen:
- Zähneknirschen
- Verspannungen im Schulterbereich
- Druck im Ohr
- Schwindel
- Kopfschmerzen
- Kau- oder Schluckproblematiken
- Entzündungen im Kiefergelenk
- Schmerzen im Bewegungsapparat
- Schmerzen bei der Aufrichtung
- uvm.